Heilige

» Hl. Teresa von Avila


(1515-1582, heilig gesprochen 1622, Kirchenlehrerin 1970).
In ihrem Hauptwerk, die Seelenburg oder die Innere Burg, schildert sie den Weg der gottliebenden Seele in ihrem Inneren bis zu mystischen Vereinigung mit Gott.

Aus der Lebensweisheit der heiligen Teresa:
Der Geist des Menschen gleicht der Erde; obwohl sie fruchtbar ist, bringt sie nur Dornen und Disteln hervor, wenn sie nicht bebaut wird. In der Gegenwart Vieler sprich stets wenig; streite niemals, vor allem nicht über unwichtige Dinge. Sprich zu jedermann in bescheidener Fröhlichkeit. Spotte nie über etwas.

Bequeme dich der Stimmung der Leute an, mit denen du umgehst; sei fröhlich mit den Fröhlichen und traurig mit den Traurigen; werde Allen Alles, um Alle zu gewinnen.

Sprich nie von etwas, was dir Lob eintragen könnte, nie von deinem Wissen, deinen Tugenden, deiner Geburt, es sei denn, du hättest vollwichtigen Grund zu glauben, dass es nützlich sei; und auch dann geschehe es in aller Demut und mit der Erinnerung, dass du alle diese Gaben aus der Hand Gottes hast.

Gib nie deinen Rat, wenn er nicht begehrt wird, und nicht die Liebe es verlangt.

Ihr Trostspruch, den sie ständig bei sich trug:
Nichts soll dich ängstigen,
Nichts dich erschrecken,
Alles vergeht,
Gott bleibt derselbe.
Geduld erreicht alles;
Wer Gott besitzt,
Dem kann nichts fehlen:
Gott nur genügt.



» Hl. Johannes vom Kreuz

(1542-1591, heilig gesprochen 1726, Kirchenlehrer 1926)
Johannes vom Kreuz ist nicht nur Kirchenlehrer und Seelenführer, Theologe und Mystiker; er gilt auch als einer der bedeutendsten spanischen Dichter. Seine Hauptwerke sind "Aufstieg zum Berge Karmel" und "Die dunkle Nach der Seele". Sie sind mehrfach ins Deutsche übersetzt worden und schildern das Seelenleben (innere Leben) eines katholischen Mystikers.

Aus dem Vorwort des "Aufstieg zum Berge Karmel"
Um jene dunkle Nacht zu deuten, welche die Seelenwdurchwandern muss, wenn sie zum Gotteslicht der vollkommenen Liebesvereinigung mit Gott gelangen will, - soweit solches natürlich hienieden überhaupt erreichbar ist, - sollte man freilich mehr Wissen und Erfahrung haben als ich... Es gibt so viele Seelen, welche den Pfad der Tugend betreten haben, die aber, sobald sie von Gott in jene dunkle Nacht eingeführt werden, durch die sie zur Vereinigung mit Gott gelangen sollen, nicht mehr weiterfinden. Die einen wollen dann nicht eingehen in jene dunkle Nacht oder sich nicht einführen lassen, die anderen finden sich nicht zurecht oder es fehlt ihnen an tüchtigen und erfahrenen Führern, die sie bis zum Gipfel des Berges leiten könnten... Es ist wohl richtig; Gott, der die Seelen führt, kann sie auch ohne ihr Zutun führen. Aber sie kommen weniger voran, da sie sich nicht führen lassen, sondern ihrem Führer widerstehen... Ja, es gibt Seelen, di anstatt sich Gott zu überlassen und sich von ihm helfen zu lassen, vielmehr ihm durch ihre unbesonnene Handlungsweise und ihr Widerstreben direkt entgegenarbeiten.


» Hl. Theresia von Lisieux

(1873-1897, heilig gesprochen 1925)
Ich habe auch verstanden, dass die Liebe unseres Herrn sich sowohl im einfachsten Menschen entfalten kann, der seiner Gnade keinen Widerstand leistet, als auch in der erhabensten Seele... ER hat das Kind erschaffen, das unwissend ist und nur ein leises Wimmern von sich hören lässt. ER hat den armen Wilden erschaffen, den nur das Naturgesetz leitet. Und es gefiel IHM, SICH bis in ihre Herzen herabzulassen. Hier sind SEINE Blumen des Feldes, deren Einfachheit IHN bezaubert. Indem Gott also herabsteigt, zeigt ER seine unendliche Größe.

So, wie die Sonne gleichzeitig die Zedern und jede kleine Blume, wie wenn sie die einzige auf Erden wäre, bescheint, so beschäftigt sich unser Herr ebenso in besonderer Weise mit jeder Seele, wie wenn es nichts ihresgleichen gäbe; und wie in der Natur die Jahreszeiten so angeordnet sind, dass sie am festgesetzten Tag das niedrigste Gänseblümchen erblühen lassen, so ist alles auf das Wohl jeder Seele abgestimmt.

Das Leben ist oft schwer. Wie bitter und doch auch wie süß! Ja, es ist mühsam, den Arbeitstag anzufangen. Wenn man wenigstens Jesus fühlte. Man wollte gern alles für IHN tun. Aber nein, ER scheint hundert Meilen weg zu sein. Wir sind allein mit uns selber. Was für eine langweilige Gesellschaft, wenn Jesus nicht dabei ist! wo ist ER? Warum kommt ER nicht uns zu trösten, wo wir doch nur IHN als Freund haben? ER ist nicht weit, ER ist da, ganz nahe, schaut uns an, bittet uns um diese Traurigkeit, um dieses Todesleiden. ER braucht es für die Seelen, für unsere Seelen.


» Sr. Teresia Benedikta a Cruce (Edith Stein)

(1891-1942 in Auschwitz) selig gesprochen 1987, heilig gesprochen 1998, 1999 Patronin Europas. Als konvertierte Jüdin 1942 in Auschwitz vergast.
Einssein mit Gott: das ist das Erste. Aber ein Zweites folgt gleich daraus. Ist Christus das Haupt, wir die Glieder..., so kann es nicht anders sein, als dass wir die Brüder lieben. Darum ist unsere Menschenliebe das Maß unsere Gottesliebe... Der ist jeweils der "Nächste", den wir vor uns haben und der unserer am meisten bedarf; gleichgültig ob er verwandt ist oder nicht, ob wir ihn "mögen" oder nicht, ob er der Hilfe "moralisch würdig" ist oder nicht. Die Liebe Christi kennt keine Grenzen, sie hört nimmer auf, sie schaudert nicht zurück vor Hässlichkeit und Schmutz. Err ist um der Sünder willen gekommen und nicht um der Gerechten willen. Und wenn die Liebe Christi in uns lebt, dann machen wir es wie ER und gehen den verlorenen Schafen nach.
("Das Weihnachtsgeheimnis")

Das Entscheidungsrecht über sich selbst steht der Seele zu. Es ist das große Geheimnis der persönlichen Freiheit, dass Gott selbst davor Halt macht. Er will die Herrschaft über die geschaffenen Geister nur als ein freies Geschenk ihrer Liebe. ER kennt die Gedanken des Herzens, ER durchschaut die tiefsten Gründe und Abgründe der Seele, in die ihr eigener Blick nicht dringt, wenn Gott sie nicht eigens dafür erleuchtet. Aber ER will nicht von ihr Besitz ergreifen, ohne dass sie es selbst will. Doch tut ER alles um die freie Hingabe ihres Willens an den SEINEN als Geschenk ihrer Liebe zu erlangen uns sie dadurch zur beseligenden Vereinigung führen zu können.
("Kreuzeswissenschaft")

Der Mensch ist dazu berufen, in seinem Innersten zu leben und sich selbst so in die Hand zu nehmen, wie es nur von hier aus möglich ist; nur von hier aus ist auch die rechte Auseinandersetzung mit der Welt möglich; nur von hier aus kann er den Platz in der Welt finden, der ihm zugedacht ist. Bei all dem durchschaut er sein Innerstes niemals ganz. Es ist ein Geheimnis Gottes, das ER allein entschleiern kann, soweit es IHM gefällt. Dennoch ist ihm sein Innerstes in die Hand gegeben; er kann in vollkommener Freiheit darüber verfügen, aber er hat auch die Pflicht, es als ein kostbares anvertrautes Gut zu bewahren. ("Kreuzeswissenschaft")


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